Social Media kann auch traurig machen

Mutterherz und Social Media passen nicht immer zusammen

An jeder Ecke wird man auf den digitalen Wandel hingewiesen. Auch über die Online-Gefahren für Kinder und Teens wird permanent aufgeklärt. An die gesundheitlichen Folgeschäden für Väter und Mütter (ok, wohl eher für Mütter) wird nicht gedacht!
27. Juni – unsere Tochter hat Geburtstag! Sie wird 12 (ZWÖLF)! Melancholisch blicke ich auf die zahlreichen Geburtstage zurück, als noch die Motorikschleife oder der Sandkasten ein Highlight darstellten. Aber spätestens heute Morgen wandelten sich die einstigen Mutter-Tränen der Verzückung in einsichtige Selbsterkenntnisse. 

Ich als Mutter wurde heute Morgen online schon daran erinnert, dass wir heute wieder Siebenschläfer haben. Ob ich unserer Tochter etwas über diese alte Bauernregel erzählen soll? Vielleicht fände sie es sogar interessant, aber die Zeit wird ihr fehlen. Denn seit ca. 6:32 Uhr heute in der Früh ertönten „Pieps“ und „DingDongs“ und „Wuschs“ in unregelmäßigen Abständen als Signaltöne für eintreffende Nachrichten auf den mobilen Endgeräten unserer Tochter. Fast kein Dazwischenkommen. Sprachnachrichten, SMS, WhatsApp-Nachrichten, Bilder, Videos…… die frischen Brötchen konnten da nicht mithalten.

Der wie immer liebevoll geschmückte Geburtstagstisch (nur ab jetzt wirklich ohne Kinder-Kerzen-Kranz so wie früher) wurde schon beachtet, aber die Luft zum Kerzenausblasen war schon knapp, als wieder die nächste Vibration das Smartphone erschütterte. Happy Birthday als gesungene Sprachnachricht war angesagt. Erschüttert war auch ich als Mutter, obwohl ich sehr onlineaffin und internetverbunden bin. Als angehende zertifizierte Social Media Managerin sollte mich das eigentlich alles nicht so mitnehmen, aber es ist wohl die Erinnerung an die eigene Jugend, die heute die Emotionen wallen lässt. Mir ist heute Morgen bewusst geworden, dass unsere Kinder in einer wirklich völlig anderen Welt groß werden. Noch vor ein paar Jahren habe ich die Absicht geäußert, unserem Kind NIE VOR dem 12. Lebensjahr einen Fernseher, ein Handy oder ein Ipad zu kaufen. Aber sie hatte es bereits vor einem Jahr, weil sich die Zeiten einfach geändert haben, und sie zudem alle Regeln brav einhielt.  Zwar stößt diese Entwicklung bei den Großeltern immer noch auf herbe Kritik aber ebenso habe ich 1985 für meine Adidas-Turnschuhe und meinen Walkman gekämpft. Meinen Nietengürtel fanden auch alle doof damals.

Noch Kinder, aber noch keine richtigen Teenager, aber sozial vernetzt


Mal ehrlich: Mit Eintritt in das Gymnasium wurde bereits vorausgesetzt, dass man fit im Web ist. Jedes Kind muss online sein Essen für die Mensa bestellen, Botschaften der Lehrer werden gemailt an die eigene E-Mailadresse mit Schullabel und Referate und Gruppenarbeiten werden ebenfalls über den eigenen Schulserver absolviert. Auch für uns Eltern hat es Folgen: Ich muss z.B. zu einem Treffen der „Handy-Arbeitsgruppe“, in der man mit Lehrern, Schülern und Eltern die neuen Schul-Regeln für das gemeinsame Miteinander bespricht. Eine Klassen-Eltern-WhatsApp-Gruppe hält einen zusätzlich auf Trab. Krass, oder? Weniger Zettelwirtschaft, dafür Emails von Lehren. Ich habe noch ein Abitur OHNE Internet und Online-Austausch via Smartphone geschafft. Wow!
Bereits Jahre vorher sagte man unserem Kind mit süßen neun Jahren, dass es die Bücher aus der Bücher nun auch online verlängern könne (um wiederholte Strafzahlungen zu vermeiden), und die gewünschten Schuhe für den Urlaub wurden letztes Jahr bereits im Internet ausgesucht. 
Schon in der Grundschule durfte man für das Winter-Referat über Tiere im Wald das Internet nutzen.

Die Kids sind uns teils so weit voraus, dass selbst die Freaks unter uns Eltern nicht mehr mitkommen. Plötzlich werden neue Apps aufs Handy geladen. Das Wetter für die anstehende Zelt-Übernachtungsparty wurde in den letzten Tagen permanent online abgerufen, dabei nicht einmal an den Himmel geschaut. Salatrezepte für das Geburtstagswochenende gab es ebenfalls von Herrn Google und nicht von Frau Antje.

Sicherlich müssen wir aufpassen – Unsere Kinder verblöden, nur anders als wir damals

„Lies ein Buch! Geh auf den Spielplatz, triff Dich mit Freunden, tausche WhatsApp gegen einen Ausflug zum Badesee!“ Ja, natürlich müssen wir unsere Kinder leiten und lenken. Aber wir müssen bedenken, dass unsere Kids keine Welt ohne Internet kennen. Bei einigen wurde das erste Babyfoto schneller in die sozialen Netzwerke hochgeladen, als die erste Muttermilch verdaut war. Die Herausforderung für uns Eltern heißt: Vorteile des digitalen Wandels nutzen und geschickt einsetzen! Ständige Aufklärung durch uns Eltern ist unausweichlich, was bedeutet: Wir alten Säcke müssen uns auch weiterbilden und sollten auf dem Laufenden bleiben! Schon mal was von Snapshat oder Slingshot gehört? Dann solltet ihr Euch schnell informieren! Datenschutz, Aufklärung und Mutterliebe sollte die richtige Mixtur sein! 
PS: Auch die Strafen haben sich geändert. Früher Hausarrest, heute Handy-Verbot! DAS klappt super und tut richtig weh!
PPS: Ich gebe auch Familien-Workshops und gehe in die Familien – Hausbesuche sozusagen, wenn man diesen Begriff noch kennt. Wir versuchen alle offenen Fragen zum Thema Handy, Smartphone und Soziale Netzwerke zu klären. Es entstehen meist tolle Fragerunden und drei Generationen sitzen am Tisch. Anfragen gerne unter www-hamster-rat.de 
Tolle Seiten für Kinder, Teens und Eltern für mehr Sicherheit im Netz + Aufklärung gibt es genug:

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