Stadtbibliothek Nordhorn seit 23.4.2015 mit freiem WLAN – Interview mit Michael Günther

Cool, zeitgemäß und zukunftsweisend!

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Ganz stolz zeigten mir Martina Kramer und Michael Günther das Einloggen mittels Pin.

Am 28. März konnte man es zu einer unchristlichen Zeit ganz früh morgens auf der Facebookseite der Stadtbibliothek Nordhorn lesen: „Bibliothek wird Hotspot-Center!“ – BÄNG! Viele besorgte Mütter und Lehrer der älteren Generation werden nun die Hände über den Kopf zusammenschlagen und rufen „Hilfe, unsere Kinder verblöden! Jetzt schalten die auch noch in der Bücherei das Internetz an..!“ Aber mal im Ernst: Bei schlechtem Wetter mit Kaffee, der Lieblingszeitschrift UND noch einem Laptop + kostenfreiem Internetzugang in einer quasi 1a-b-Lage unserer City zu verweilen ist doch nicht schlecht, oder? Die Kids können dann für Ihre nächste Klassenarbeit standesgemäß beim Recherchieren nicht nur das WWW nutzen, sondern auch noch das eigene Datenvolumen schonen, wenn nebenbei 1 Mio WhatsApp-Nachrichten rein rattern.

Das Internet wird am 23. April = „Welttag des Buches“ offiziell freigegeben. Irgendwie scheinen OFFLINE und ONLINE dann doch zusammen zu passen, oder wie denkt sich das die Bücherei? Ich konnte dazu den Diplom-Bibliothekar und stellv. Bibliotheksleiter Michael Günther ein paar Fragen stellen: 

1) Was hat die Bücherei dazu bewegt, freies WLAN anzubieten?
Den Zugang zu 90.000 Büchern und anderen Medien wie Blu Ray oder MP3-Hörbuch kostenlos anzubieten (bis auf eine Jahresgebühr von 12 (!) Euro) und den Zugang zum Internet pro halbe Stunde mit einem Euro abzurechnen, ist nicht mehr zeitgemäss.

2) Führen Sie die WLAN-Nutzer dann nicht vom Medium LESEN weg?
Wir sehen das freie Internet-Angebot als Ergänzung zum traditionellen Buch, genauso wie eBooks. Letztendlich kommt es nicht so sehr auf das Trägermedium an, sondern auf die Inhalte. Und schließlich: ohne Lesekompetenz können auch Texte aus dem Netz nicht gelesen werden. Dadurch wird die Aufgabe der Bibliothek, Leseförderung zu betreiben, noch wichtiger! Ein weiterer wichtiger Punkt ist, die Bibliothek fungiert als sogenannter „Dritter Ort“. Verändern sich Arbeitswelt und Freizeitgestaltung dahingehend, dass Menschen zunehmend für sich allein Zeit verbringen und über das Netz kommunizieren, so kann die Bibliothek als Ort der Begegnung zwischen den Menschen fungieren.

3) Wie sicher ist die Datenübertragung
Wir arbeiten mit dem Anbieter Hotsplots zusammen und haben damit bereits gute Erfahrungen gesammelt. Sollte einmal die Datenübertragung abrechen wie vor einiger Zeit durch einen Defekt in einem der drei Connection-Points, so bekommen wir direktes Feedback und können die Fehlersuche zeitnah starten.

4) Wird eine Filtersoftware und eine Firewall von Seiten der von Seiten der Bücherei eingesetzt?
Auch hier bietet die Firma Hotsplots einen entsprechenden Schutz. Um diesen zu gewährleisten, erhält jeder Nutzer unseres Angebotes kostenlose Tickets mit einem Zugangscode. Leidglich der Ausdruck kostet 10 Cent pro Seite, genau wie eine Kopie auf dem traditionellen Kopierer, der nach wie vor angeboten wird. Übrigens ebenso die Möglichkeit, von seinem Stick aus Daten auszudrucken.

5) Haben Sie genug Steckdosen in den Sitzecken verfügbar, falls der Akku leer ist?
In der Bibliothek sind Steckdosen vor allem an den Arbeitsplätzen vorhanden. Direkt an der Fensterfront zum Platz hin befinden sich einige Bodentanks mit Stromanschluß. Hier kann man auch mal nebenbei die eine oder andere Hochzeit beobachten 🙂

6) Warum startet das freie WLAN genau heute am „Tag des Buches“?
Das Buch hat immer noch einen hohen Stellenwert in unserem täglichen Geschäft. Es gab einmal eine Karikatur, darauf war eine Gebäudezeile zu sehen. Mitten in diesem Gebäude-Ensemble befand sich eine riesige Lücke. Davor zwei Menschen. Fragt der eine: „Wo ist denn die Bibliothek geblieben?“ Antwortet der zweite: „Ist jetzt alles auf Diskette“. Nun, Bibliotheken gibt es auch heute noch. Sie wird es auch in Zukunft geben. Unsere Erfahrung ist, dass die meisten unserer Besucher in beiden Welten zu Hause sind: in der analogen UND in der virtuellen. Es wird also nicht in ein paar Jahren heissen: Der letzte macht das Licht aus. Somit ist es nur konsequent, das freie WLAN genau am Welttag des Buches anzubieten.

Ich bin nicht nur von den sinnigen Antworten beeindruckt, sondern auch von der stetig besser werdenden Außendarstellung der Stadtbibliothek Nordhorn. So bewerte ich die Inhalte der Facebookseite z.B. als mit die besten Inhalte, die ich bei Grafschafter Fanpages gesichtet habe. Immer an die aktuelle Situation angepasst, immer nah an der Zielgruppe und immer reaktionsschnell. Teilweise muss man fast schon aufpassen, dass nicht zu salopp formuliert wird, und immer der nötige Abstand zu den Fans gewahrt wird (…“Kaum sind wir mal 4 Tage nicht da, rennen uns die Massen die Bude ein….“). Fast vergessen: Der unterschwellige, dezente Humor ist immer dabei und lockert die Postings stets auf. Eine Handschrift, oder besser, eine individuelle Content-Strategie.

Beim „Perfektem Dinner“ würde ich unserer „neuen alten“ nun vernetzten Begegnungsstätte glatte 10 Punkte geben! Weiter so und viel Erfolg mit den „alten neuen“ Lesefüchsen! Man freut sich über viele neue Fans auf der Facebookseite https://www.facebook.com/stadtbibliothek.nordhorn

NACHTRAG: Ich war übrigens heute nach unserem Bürgermeister die 2. Person, die das kostenfreie WLAN in der Stadtbibliothek genutzt hat!

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